Zwischen dem eigenen Serverraum und der Public Cloud liegt eine Option, die im Mittelstand selten geprüft wird: Colocation. Die eigenen Server stehen dabei in einem fremden Rechenzentrum — man mietet Fläche, Strom, Kühlung und Anbindung, betreibt die Hardware aber weiterhin selbst.
Die Frage „Colocation oder Cloud” ist deshalb keine Variante der Frage „eigenes Rechenzentrum oder Cloud”. Sie liegt dazwischen und beantwortet sich nach anderen Kriterien.
Colocation lohnt sich, wenn die Last stabil ist, die Hardware ohnehin existiert oder ohnehin beschafft wird und besondere Anforderungen an Kontrolle, Latenz oder Datenhaltung bestehen. Die Cloud gewinnt bei schwankender Last, kurzen Vorlaufzeiten und dort, wo eigener Betrieb Kapazität bindet, die nicht da ist. Der entscheidende Unterschied ist nicht der Preis, sondern wer den Betrieb verantwortet: Bei Colocation bleibt er vollständig im Haus.
Was Colocation umfasst — und was nicht
Ein Colocation-Vertrag umfasst typischerweise Fläche im Rack oder ein ganzes Rack, eine zugesicherte Stromversorgung mit Absicherung, Kühlung, physische Zutrittskontrolle, Brandschutz und eine Netzanbindung. Manche Anbieter bieten Hände-vor-Ort-Dienste an: Jemand steckt ein Kabel um oder startet ein Gerät neu.
Nicht enthalten ist alles darüber. Betriebssysteme, Updates, Sicherung, Überwachung, Störungsbeseitigung, Hardware-Ersatz — das bleibt beim Mieter. Colocation ersetzt den Raum, nicht die IT-Abteilung.
Genau dieser Punkt entscheidet die Frage häufiger als jede Kostenrechnung. Wer den Serverraum loswerden will, weil niemand mehr Zeit für den Betrieb hat, löst mit Colocation das falsche Problem.

Die drei Modelle im Vergleich
| Bereich | Eigener Raum | Colocation | Cloud |
|---|---|---|---|
| Gebäude, Strom, Kühlung | selbst | Anbieter | Anbieter |
| Physische Sicherheit | selbst | Anbieter | Anbieter |
| Hardware-Beschaffung | selbst | selbst | entfällt |
| Hardware-Ersatz bei Defekt | selbst | selbst | Anbieter |
| Betriebssystem und Updates | selbst | selbst | selbst |
| Skalierung nach oben | Beschaffung | Beschaffung | sofort |
| Skalierung nach unten | nicht möglich | nicht möglich | sofort |
Die beiden letzten Zeilen sind der eigentliche Unterschied. Hardware lässt sich nicht verkleinern: Ein gekaufter Server kostet dasselbe, ob er zu zwanzig oder zu achtzig Prozent ausgelastet ist. Diese Asymmetrie erklärt, warum überdimensionierte Umgebungen im eigenen Betrieb die Regel sind — man kauft für die Spitze, die vielleicht kommt.
Wann Colocation die bessere Wahl ist
Spricht für Colocation
- + Stabile, gut bekannte Grundlast über Jahre
- + Vorhandene Hardware, noch nicht abgeschrieben
- + Anforderungen an Datenhaltung, die Kontrolle verlangen
- + Große Datenmengen mit häufigem Zugriff
- + Spezialhardware, die es als Dienst nicht gibt
Spricht für die Cloud
- − Schwankende oder unbekannte Last
- − Anstehende Ersatzbeschaffung
- − Kurze Vorlaufzeiten für neue Vorhaben
- − Wenig eigene Kapazität für Betrieb
- − Bedarf an Diensten statt an Maschinen
Der vierte Punkt links verdient eine Erläuterung, weil er oft übersehen wird: Bei großen Datenmengen mit häufigem Zugriff kann Colocation deutlich günstiger sein. Cloud-Anbieter berechnen ausgehenden Datenverkehr nach Volumen; in einem Colocation-Vertrag ist die Anbindung meist pauschal enthalten. Wer täglich große Datenmengen ausliefert, rechnet hier schnell anders.
Die versteckten Posten auf beiden Seiten
Ein Vergleich, der nur Miete gegen Verbrauchskosten stellt, geht an der Sache vorbei. Auf beiden Seiten stehen Positionen, die in der ersten Rechnung fehlen.
Bei Colocation: die Anfahrt. Jeder Eingriff, der Hände vor Ort braucht, bedeutet entweder eine Fahrt oder einen kostenpflichtigen Dienst des Anbieters. Wer sein Rechenzentrum zwei Stunden entfernt wählt, weil es dort günstiger ist, zahlt das bei jedem Hardware-Defekt zurück. Dazu kommen Stromkosten, die häufig nach Verbrauch abgerechnet werden und mit der Auslastung schwanken.
Bei der Cloud: der ausgehende Datenverkehr, die Lizenzen im Stundenpreis und der laufende Aufwand für Kostensteuerung. Letzterer entfällt bei Colocation fast vollständig — eine feste Miete braucht keine monatliche Analyse.

Verfügbarkeit: der Punkt, an dem eigene Räume verlieren
Der häufigste Grund, einen eigenen Serverraum aufzugeben, ist selten der Preis. Es ist die Erkenntnis, dass die Verfügbarkeit nicht der Bedeutung der Systeme entspricht.
Ein Serverraum im Gewerbebau hat in aller Regel eine Stromversorgung, eine Klimaanlage und eine Internetanbindung. Fällt eines davon aus, steht die IT. Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung überbrückt Minuten, kein Netzersatzaggregat. Die Klimaanlage hat keine zweite. Rechenzentren führen genau diese Komponenten mehrfach — das ist ihr eigentliches Produkt.
Für die Entscheidung heißt das: Der Vergleich muss auf gleicher Verfügbarkeitsebene geführt werden. Wer den eigenen Raum auf das Niveau eines Rechenzentrums bringen wollte, müsste Netzersatz, redundante Kühlung und eine zweite Anbindung beschaffen — und läge damit meist über den Kosten beider Alternativen.
Deshalb ist die ehrliche Formulierung nicht „Colocation ist teurer als der eigene Raum”, sondern „Colocation liefert eine Verfügbarkeit, die der eigene Raum nicht hat”. Ob man sie braucht, ist eine fachliche Frage: Wie lange kann der Betrieb ohne diese Systeme arbeiten, und was kostet jede Stunde Stillstand?
Der Zwischenweg, der oft übersehen wird
Die Frage muss nicht für die gesamte Umgebung einheitlich beantwortet werden. In der Praxis bewährt sich häufig eine Aufteilung nach Lastprofil: Was stabil läuft und große Datenmengen bewegt, bleibt auf eigener Hardware. Was schwankt, neu ist oder nur zeitweise gebraucht wird, geht in die Cloud.
Diese Aufteilung hat einen Preis — zwei Umgebungen bedeuten zwei Betriebsmodelle, zwei Sicherungskonzepte und eine Verbindung dazwischen, die überwacht werden muss. Sie lohnt sich deshalb erst ab einer gewissen Größe, und die Grenze liegt höher, als Anbieter beider Seiten nahelegen.
Für kleinere Betriebe ist die ehrlichere Empfehlung meist, sich für eine Seite zu entscheiden. Zwei halb betreute Umgebungen sind schlechter als eine gut betreute.
Worauf beim Colocation-Vertrag zu achten ist
Fällt die Wahl auf Colocation, entscheiden fünf Vertragspunkte über den Alltag — und über die Rechnung.
| Punkt | Worauf es ankommt |
|---|---|
| Strom: pauschal oder nach Verbrauch | Pauschal ist planbar, nach Verbrauch bei geringer Auslastung günstiger. Die zugesicherte Leistung je Rack begrenzt, wie viel Hardware hineinpasst. |
| Zutritt | Wer darf wann hinein, mit welcher Voranmeldung? Rund um die Uhr ohne Anmeldung ist im Störungsfall viel wert. |
| Hände vor Ort | Im Vertrag enthalten oder je Vorgang berechnet? Reaktionszeit und Umfang der erlaubten Eingriffe festhalten. |
| Anbindung | Pauschal oder nach Volumen, und mit welcher Redundanz? Ein zweiter Anbieter über eine getrennte Wegführung ist der Unterschied zwischen Redundanz und deren Anschein. |
| Laufzeit und Ausstieg | Übliche Laufzeiten liegen bei zwei bis fünf Jahren. Wichtig ist, wie der Auszug abläuft und wer ihn durchführt. |
Der vierte Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit, weil er häufig missverstanden wird: Zwei Anbindungen desselben Anbieters über dasselbe Kabel sind keine Redundanz. Die Frage lautet nicht „gibt es zwei Leitungen”, sondern „laufen sie getrennt ins Gebäude”.
Vier Fragen, die die Entscheidung tragen
- Wie stabil ist die Last? Schwankt sie um mehr als das Doppelte, gewinnt die Cloud fast immer. Ist sie konstant, verliert sie ihren Hauptvorteil.
- Wann steht die nächste Beschaffung an? Direkt vor einem Hardware-Zyklus ist der günstigste Zeitpunkt für einen Wechsel — mittendrin der teuerste.
- Wer betreibt die Systeme? Colocation verlagert den Raum, nicht die Arbeit. Ohne eigene Betriebskapazität ist es die falsche Wahl.
- Wie viele Daten verlassen das System? Bei großen Mengen mit häufigem Abruf kippt die Rechnung zugunsten eigener Hardware.
Wer diese vier beantwortet hat, braucht selten noch einen Kostenvergleich, um zu wissen, welche Richtung passt — die Zahlen bestätigen dann meist nur, was die Antworten schon nahegelegt haben.
Der Umzug selbst
Wird es Colocation, folgt ein Umzug physischer Hardware — mit einer Ausfallzeit, die sich planen lässt, aber nicht vermeiden. Drei Punkte bestimmen ihre Länge.
Der Transport. Server vertragen Erschütterung schlecht. Fachbetriebe transportieren gepolstert und im Rack montiert; die Fahrt selbst ist selten das Problem, das Aus- und Einbauen schon.
Die Anbindung vorher. Die Netzanbindung am Zielort sollte fertig und getestet sein, bevor die erste Maschine ankommt. Wer beides parallel plant, verlängert die Ausfallzeit um genau die Zeit, die die Anbindung braucht.
Der Rückfallplan. Was passiert, wenn eine Maschine den Transport nicht übersteht? Eine aktuelle, getestete Sicherung ist hier kein Formalismus, sondern die Voraussetzung dafür, den Umzug überhaupt zu wagen.
Realistisch geplant wird ein solcher Umzug über ein Wochenende, mit dem Freitagabend als Startpunkt und dem Montagmorgen als Frist. Wer knapper plant, plant ohne Puffer für den einen Fall, der immer eintritt.

Häufige Fragen
Was ist Colocation?
Die Unterbringung eigener Server in einem fremden Rechenzentrum. Gemietet werden Fläche, Strom, Kühlung, physische Sicherheit und Netzanbindung; die Hardware gehört weiterhin dem Kunden und wird von ihm betrieben. Colocation ersetzt den Serverraum, nicht die IT-Betreuung.
Ist Colocation günstiger als die Cloud?
Bei stabiler Last und vorhandener Hardware häufig ja, besonders wenn große Datenmengen ausgeliefert werden — Cloud-Anbieter berechnen ausgehenden Datenverkehr nach Volumen, während die Anbindung bei Colocation meist pauschal enthalten ist. Bei schwankender Last dreht sich das Bild, weil Hardware sich nicht verkleinern lässt.
Was ist in einem Colocation-Vertrag enthalten?
Üblicherweise Rack-Fläche, abgesicherte Stromversorgung, Kühlung, Zutrittskontrolle, Brandschutz und Netzanbindung; oft zusätzlich Hände-vor-Ort-Dienste für einfache Eingriffe. Nicht enthalten sind Betriebssysteme, Updates, Sicherung, Überwachung und der Ersatz defekter Hardware.
Lohnt sich eine Mischung aus beidem?
Ab einer gewissen Größe ja: stabile, datenintensive Systeme auf eigener Hardware, schwankende oder neue Vorhaben in der Cloud. Der Preis dafür sind zwei Betriebsmodelle, zwei Sicherungskonzepte und eine überwachte Verbindung dazwischen. Für kleinere Betriebe ist eine gut betreute Umgebung meist besser als zwei halb betreute.
Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Wechsel?
Am Ende eines Hardware-Zyklus. Solange vorhandene Server abgeschrieben sind und laufen, gewinnt der Bestand fast jeden Kostenvergleich. Sobald eine Ersatzbeschaffung ansteht, ändert sich die Rechnung grundlegend — deshalb fällt die Entscheidung in den meisten Betrieben genau dann.